Defragmentieren einer Festplatte - Muss das eigentlich noch sein?


Auch wenn es sich hierbei noch nicht einmal um eine Aufgabe handelt des Grundschutzes. Ein guter Schutz der Daten ist auch ein sorgfältiger Umgang mit der Festplatte. Technisch bedingt – eine Datei wird einmal angelegt, später wird sie geöffnet und Einzelstücke werden ergänzt und wieder eine Zeit später geschieht ähnliches an anderer Stelle – teilen sich die Dateien mit wachsendem Alter immer mehr in Einzeltstücke auf, die an unterschiedlichen Stellen auf der Festplatte gespeichert sind. Man sagt: Die Dateien Defragmentieren. Sie bilden eben Fragmente.

Allgemein kann man sagen. Besteht eine Datei aus genau einem Fragment, dann genügt in der Regel ein Lesevorgang und diese steht dann im Speicher. Besteht die Datei aus zum Beispiel vier Fragmenten, dann wird mit dem ersten Lesevorgang das erste Fragment gelesen. Erst dann wird ermittelt wo das nächste Fragment steht und dann wird dieses gelesen.

Fragmentieren einer Datei führt also dazu, dass mehr Speicherzugriffe nötig sind eine Datei einzulesen. Damit erhöht sich die Lesezeit einer Datei und wegen der höheren Zahl an Speicherzugriffen reduziert sich auch die Lebensdauer der Festplatte.

Man könnte nun fragen, warum man nicht im Betriebsystem eine Funktion integriert, die dafür sorgt, dass die Dateien immer optimal abgespeichert werden also immer in einem Fragment. Solch ein Vorgang ist im Grunde nicht möglich. Dabei muss man eben beachten, dass das defragmentieren auch mit einer Reihe von Festplattenzugriffen verbunden ist. Das Defragmentieren verkürzt also die Lebensdauer der Festplatte wieder und ein zu häufiges Defragmentieren könnte auch zu einer “kaputtfragmentierten Fesplatte” führen.

Daher geht man anders vor: Man arbeitet an einer Datei, verändert hier und dort und erst zum Abschluss der Arbeit also mit dem letzten Sichern darf man überhaupt das Defragmentieren starten. In den weitaus meisten Fällen würde sich es auch lohnen eine Datei nur wöchentlich zu defragmentieren. Und eine Backupdatei zum Beispiel benötigt man nur, um diese im Notfall wieder einlesen zu können. Hier ist Defragmentieren einfach vergebliche Liebesmühe, denn 90% und mehr aller Backupdateien sind im Grunde nur Datenfriedhöfe.

Mit anderen Worten: Gutes Defragmentieren ist ein Prozess, der durchdacht sein muss. Jeder Windows-Nutzer hat unter Programme-Zubehör-Systemprogramme ein Windows-Defragmentierungstool standardmäßig zur Verfügung. Auch wenn es immer ein “mehr” an Leistung gibt, für die weitaus meisten Windows-Nutzer reicht das Tool in der Regel aus. Hier kann man alle 1/2 Jahre eine Defragmentierung manuell starten und dann ist der Rechner wieder etwas schneller geworden.

Dieses Tool defragmentiert allerdings nicht die Systemdateien von Windows, denn diese sind während des Betriebs geöffnet. Eine solche Defragmentierung kann nur während des Bootens gestartet werden und hier gibt es von der Fima Sysinternals – diese Firma ist von Microsoft übernommen worden und daher sind die Produkte inzwischen auf einer Microsoft-Seite – einen Defragmentierer, der in der Boot-Phase die Systemdateien defragmentiert. Auch das Programm kann man kostenlos herunterladen.

Vor kurzem habe ich mir einen neuen Laptop gekauft, den Lenovo R61 und hier war ein anderes Programm vorinstalliert, der Diskkeeper. Die Einfachversion wird kostenlos ausgeliefert, kostenpflichtig sind nur Zusatzleistungen, die Verwaltungsaufgaben vereinfachen.

Hier wird ein Dienst gestartet, der automatisch in der Idle-Zeit des Rechners die entsprechenden Defragmentierungsaufgaben übernimmt. In der Premier-Edition gibt es auch die Option “I-Faast” bei der die Festplattenperformance überprüft wird und häufig genutzte Dateien dort hin geschoben werden, wo die Festplatte die beste Performance aufweist.

Genau so etwas sollte man schon haben bei virtuellen Rechnersystemen. Ein virtueller Rechner, der in einer defragmentierten Datei abgespeichert ist, dessen Daten dann innerhalb der Datei ein weiteres mal defragmentieren, der bremst sich irgendwann einfach nur massiv aus. Also die Datei in der das virtuelle System abgespeichert ist, die muss defragmentiert werden, das Boot-System des virtuellen Rechners und die Dateistruktur des virtuellen Rechners.

Ich denke hier: Defragmentieren muss normalerweise nicht sein. Wenn man seine Hardware allerdings optimal nutzen will, dann ist defragmentieren aber ein guter Weg. Alle halbe Jahr mache ich es auf meinem Rechner schon – einfach manuell gestartet und bei einem virtuellen System würde ich solch eine verwaltungstechnisch einfache Lösung schon einsetzen wollen.